Pflanzen. Leben. Kultur
seit 150 Jahren

Pflanzen aus aller Welt, alter Baumbestand, Wiesen und Wasser, Wildheit und Wissen, Kunst und Kultur – der Palmengarten ist ein Ort, der seinesgleichen sucht.

22 Hektar ist der Garten groß, in seinem Freiland und unter den Dächern seiner teilweise historischen Schauhäuser wachsen rund 13.000 Pflanzenarten. Ausstellungen, Themenführungen und Musikveranstaltungen machen den Palmengarten zu jeder Jahreszeit zu einem Publikumsmagnet.  Übrigens nicht unter Menschen: Wer an einem Sommertag an den Wiesen und Beeten des Palmengartens entlanggeht, wird dort auf unzählige, teilweise sogar selten gewordene Insekten stoßen.  Ihnen und ihrer Bedeutung für das Ökosystem widmet sich das das Blüten- und Schmetterlingshaus, das im Sommer des Jubiläumsjahres 2021 eröffnet wurde. Dort kann man den Lebenszyklus eines Schmetterlings vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum Falter erleben und sich in der benachbarten Ausstellung „Abgestaubt - von Blüten und ihren Bestäubern“ über das Leben und die Relevanz der Insekten informieren. Auch das aktuelle Leitthema Blütenökologie wird den Besucher:innen in der Informationsausstellung begegnen – ebenso wie an vielen anderen Stellen des Palmengartens und auch des Botanischen Gartens, der seit 2012 mit dem Palmengarten vereint ist. 

Die Entstehung des Palmengartens haben die Frankfurter*innen einem finanziellen Engpass und den damals unter ihnen recht unbeliebten Preußen zu verdanken: Als 1866 das Herzogtum Nassau von Preußen annektiert wurde, musste der klamme Adolph von Nassau einige seiner Besitztümer veräußern – darunter auch die Biebricher Wintergärten mitsamt der Sammlung exotischer Pflanzen. Der Herzog beauftragte den international bekannten Gartengestalter Heinrich Siesmayer mit der Suche nach einem Käufer. Siesmayer wollte die Exoten nach Frankfurt holen, um mit ihnen einen Garten aufzubauen. Um seine Idee eines kunstvoll und dennoch nach natürlichem Vorbild angelegten Landschaftsgartens mitsamt einem für die damalige Zeit revolutionären Glashaus voller exotischer Pflanzen zu verwirklichen, erdachte Siesmayer die „Palmengarten-Actien“. Bankiers, Verleger, Rechtsanwälte und allerhand Vermögende Frankfurter*innen erwarben diese „Actien“ und ließen Siesmayers Vision Wirklichkeit werden.  

War er zu Beginn ein Ort, an dem sich das gehobene Bürgertum traf, ist er heute ein Ort für jedermann jeden Alters und jeglichen Interesses. Denn neben einer enormen Artenvielfalt sowohl aus der Welt der Pflanzen, als auch der Tiere, steht der Garten seit Jahrzehnten für ein überregional bekanntes Kultur- und Veranstaltungsprogramm. Konzerte von Jazz über Oper bis zu Pop, Elektronischer Musik, Klangkunst, Fotoausstellungen, Kooperationen mit Kunstschaffenden, die traditionellen Blumenschauen, Veranstaltungen wie das Rosen- und Lichterfest und die Winterlichter, pädagogische Angebote für Besucher*innen vom Kindergartenkind bis zur Senior*in – all das gehört zum Palmengarten wie Blumenbeete und Gewächshäuser.

 

 

Im Jahre 1866 wurde das Herzogtum Nassau mit Wiesbaden von Preußen annektiert, die Pflanzenschätze wurden zum Kauf angeboten. Heinrich Siesmayer konnte den gesamten Pflanzenbestand erwerben, damit Frankfurter Bürger:innen nun ihren eigenen Paradiesgarten mit fremden Pflanzenschätzen aufbauen konnten. Der Palmengarten wurde am 16. März 1871 eröffnet. Seitdem wurden die Sammlungen exotischer Gewächse kontinuierlich ausgebaut. Das zur Gründung des Palmengartens 1869 errichtete Palmenhaus gehört weltweit zu den größten erhaltenen Konstruktionen dieser Art. In den 150 Jahren seines Bestehens hat der Palmengarten weitere Schauhäuser hinzugewonnen.

Palmenhaus

Das Palmenhaus ist Herz- und Prunkstück des Palmengartens, und obendrein älter als der Garten selbst. Es wurde bereits im November 1869 eröffnet, anderthalb Jahre vor der Parkanlage.

Laut Gartengründer Heinrich Siesmayer sollte das Palmenhaus ein Hort für exotische Pflanzen sein und zugleich ein Ort, in dem sich die Frankfurter Gesellschaft vergnügen konnte. So kombiniert es also einen überdimensionalen Wintergarten mit einem vorgesetzten Gebäude, dem Gesellschaftshaus, in dem sich ein prunkvoller Festsaal befand, der nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten 2012 auch wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlt.

Ende des 19. Jahrhunderts galt die Konstruktion des Palmenhauses als bahnbrechend. Ein Gebäude aus Eisen und Glas, entworfen nach einem Patent der Pariser Weltausstellung von 1867, 52,6 Meter lang, 30,5 Meter breit und an seinem Scheitel 18,5 Meter hoch – und das alles ohne Stützpfeiler im Innern der Halle. Bis heute ist das Palmenhaus europaweit eines der größten seiner Art, zu Zeiten seiner Errichtung diente es als Vorbild für vielerlei ähnliche Bauwerke in Deutschland.

Noch heute, über 150 Jahre nach seiner Eröffnung, hat es nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Kaum ein Palmengartenbesuch ohne Stippvisite im Palmenhaus. Zwar wurde in seinem Innern die Wegführung geändert und auch die diversen Palmen, die unter seinem Glasdach wachsen, sind nicht mehr diejenigen, die zu Siesmayers Zeiten einzogen – doch seine einstige Gestalt blieb unverändert. Rechts und links der Pfade Petticoat-, Fischschwanz-, Betelnuss- und Bergpalmen, Araukarien, Palm- und Baumfarne, im vorderen Teil eine Terrasse, im hinteren ein Wasserwall, der in ein kleines Bassin mit Fischen plätschert, dahinter eine Grotte mit Aquarien, darüber eine Empore und mittendrin ein kleiner Bachlauf. Ein Besuch im Palmenhaus wirkt sommers wie winters wie ein kleiner Urlaub.

Tropicarium

Erbaut in den 1980er Jahren, gilt der Gebäudekomplex noch heute als architektonisch, technisch und inhaltlich herausragend. Das Tropicarium zeigt tropische Pflanzen in ihren ökologischen Zusammenhängen. Im Nordstern ist die Vegetation der feuchten Tropen beheimatet. Hier wachsen Pflanzen der Bergregen- und Nebelwälder, der immergrünem Tiefland-Regenwälder, der wechselfeuchten Monsun- und Passatwälder sowie der Mangroven und Küstenwälder. Im Südstern finden sich Pflanzen der trockenen Tropenregionen: aus Trockenwäldern und Savannen, Dornwäldern sowie der Halb- und Nebelwüsten.

Besucher*innen des Tropicariums können also binnen kürzester Zeit eine botanische Weltreise unternehmen, Amerika und Mexiko mit seinen meterhohen Euphorbien und riesigen Schwiegermuttersitzen besuchen, und nur ein paar Schritte weiter die seltene Welwitschia mirabilis, die ausschließlich in der Namib-Wüste und in Südangola wächst, besuchen. Sie spazieren vorbei an Aloen und Affenbrotbäumen aus Madagaskar, an Palmfarnen, Macadamia und Grasbäumen aus Australien. Und das sind nur die sogenannten Trockenen Tropen. Im Nachbarkomplex der Feuchten Tropen wachsen Pfeffersträucher, Kakaobäume, Heliconien, Riesenbambus, Mangrovenbäume, Bromelien, die größte Orchidee der Welt, Seychellenpalme, Siegellackpalme und überhaupt Palmen und Farne verschiedenster Art.

Das Tropicarium war das größte Bauvorhaben seit Bestehen des Palmengartens – und erfüllt diesen Superlativ noch heute. Es umfasst insgesamt 14 Glashäuser unterschiedlicher Größen und Höhen, an seiner höchsten Stelle ist es 15 Meter hoch. Eine eigens entwickelte Fassade ermöglicht die Entstehung eines Wärmepolsters aus Luft, dieses verhindert, dass im Winter kaltes Kondenswasser auf die Pflanzen tropft. Schräg gestellte Scheiben leiten senkrecht einfallende Sonnenstrahlen um und schützen die Pflanzen somit vor Sonnenbrand.

An die öffentlichen Schauhäuser schließt sich die Botanische Sammlung des Palmengartens an. Dort kultivieren die Gärtner*innen Pflanzen von teilweise hohem wissenschaftlichen Wert wie Bromelien, Orchideen, Amorphophallen und Karnivoren. Von außen können die Besucher*innen einen Blick in diese Gewächshäuser werfen.

Blüten- und Schmetterlingshaus

Lange haben die Gäste des Palmengartens auf dieses Ereignis gewartet: Zum 150-jährigen Jubiläum eröffnen wir das Blüten- und Schmetterlingshaus. Seit 6. August kann man dort tropische Falter aus nächster Nähe beobachten und sich über das Zusammenspiel von Blüten und ihren Bestäubern schlau machen.

Das BSH ist ein Ensemble aus Glashäusern, das in zwei Bereiche unterteilt ist – das Warmhaus und das Kalthaus. Das Warmhaus gehört den Schmetterlingen, ihren Puppen und Raupen. So findet man im sogenannten Puppenkasten Schmetterlingspuppen verschiedenster Arten, mit etwas Glück kann man erleben, wie ein Falter schlüpft, sich im wahrsten Sinne des Wortes entfaltet und seine ersten Flugversuche unternimmt. Bereits ausgewachsene Schmetterlinge tummeln sich zwischen und auf Nektar- und Futterpflanzen – und die Gäste können mitten durch diese farbenprächtige Welt hindurchspazieren.

Im benachbarten Kalthaus nimmt die neue Ausstellung „Abgestaubt – von Blüten und ihren Besuchern“ die Welt der Insekten und anderer Bestäuber wie Vögel und Säuger unter die Lupe. Sie zeigt ihre Vielfalt, ihre Form- und Farbenpracht sowie ihre – für Natur und Menschen unverzichtbare – Verbindung zum Pflanzenreich. Denn Falter, Käfer, Bienen und Co. sind wichtige Bestäuber, ohne deren Dienstleistung kein Obst, kein Korn, kein Gemüse wachsen würde. Dieses Zusammenspiel von Insekten und Pflanzen beleuchtet der Palmengarten mit seinem Leitthema Blütenökologie, die Ausstellung im BSH bildet das Kernelement dieses Themas.

Neben Informationen zum Thema Bestäubung und der Frage, was überhaupt alles in einer Blüte steckt, verdeutlicht sie, wie sich die Wechselbeziehungen zwischen Blüten und ihren Bestäubern entwickeln konnte. Warum fliegen die Bestäuber überhaupt auf Blüten? Mit was wird gelockt, belohnt oder gar getäuscht? Wie sehen Insekten die Umwelt durch ihre Facettenaugen, wie sehen Blüten für sie aus? Diese und viele andere Fragen beantwortet die neue Schau, theoretisch und auch ganz praktisch, indem man beispielsweise ausprobieren kann, welcher Saugrüssel zu welcher Blüte passt. Sowohl in der Ausstellung als auch im integrierten Workshop-Raum erwerben kleine und große Besucher:innen Wissen, das sich dann an vielen anderen Stellen des Palmengartens und des Botanischen Garten (und freilich auch außerhalb der Gärten) anwenden lässt.

Subantaktishaus

Im Vergleich zu den anderen Schauhäusern des Palmengartens nicht sehr groß, aber nahezu einzigartig: Das Subantarktishaus widmet sich der Flora aus den Regionen nahe der Antarktis, also Patagoniens, Feuerlands, der Falklandinseln und der Südinsel Neuseelands. Nur in Tasmanien findet sich ein ähnliches Schauhaus.

Allein seine Bauart ist besonders, denn es besteht aus Teilen des ehemaligen Palmenhauses von Bad Kissingen. Als die Kurstadt den Bau aus dem Jahre 1904 ausrangierte, kam er in den Palmengarten. Zwischen dem Stahlskelett wurde bräunliches Solstopp-Glas verbaut, die Scheiben verhindern das Eindringen der aufheizenden Infrarotstrahlen. Automatische Belüftung und Beneblung sorgen zusätzlich dafür, dass es im Subantarktishaus im Sommer stets etwa acht Grad kühler ist als vor seinen Türen.

Feucht-frisch, genauso mögen es die Pflanzen im Innern des Hauses. Schlägt man den Pfad links des Eingangs ein, gelangt man nach Süd-Chile, Patagonien, Feuerland, und auf die Falkland-Inseln, wo Chilenische Flusszedern, Seefedern, verschiedene Bambus-Arten, Chiles Nationalpflanze – die Lapageria rosea, sowie die Patagonische Zypresse, auch Alerce genannt, wachsen.

Von hier aus sind es nur ein paar Meter auf die Südinsel Neuseelands und ihre benachbarten Inseln im Südpazifik, deren Vegetation rechts des Entrees abgebildet ist. Typisch dafür sind weitere Arten der Südbuche, Steineibengewächse, Astelien, Clematis und Baumfarne.

Alpinhäuser

In den Seitenschiffen rechts und links des Haus Leonhardsbrunn wachsen nicht winterharte Arten aus den Gebirgsregionen der ganzen Welt. Im östlichen Seitenschiff ist die Vegetation der Südhalbkugel abgebildet, unter anderem der Anden, der Drakensberge und der neuseeländischen Alpen. Im westlichen Seitenschiff sind Pflanzen aus den Alpen, dem Atlas-Gebirge, den Rocky Mountains, dem Kaukasus, also der Nordhalbkugel zu Hause. Auch der Himalaja und die Pyrenäen, die Gebirgswelt Kretas, Südafrikas oder Marokkos finden in den Alpinhäusern Platz.

Nun könnte man sich fragen, warum diese Pflanzen nicht winterhart sind, wachsen sie in der Natur doch oftmals an Standorten, in denen die Winter lang und hart sind. Die Antwort gibt das Frankfurter Klima. Manchen Pflanzen fehlt der Schnee, der eine wärmende Decke über ihnen ausbreitet, anderen ist es zu nass und wieder anderen schlicht zu kalt, so dass sie ein schützendes Glasdach brauchen.

Im Freien, direkt vor den Alpinhäusern, findet sich der Spaltengarten. Dort wachsen gelbblühende Seidelbaste, Hauswurz, Edelweiß, neuseeländische Strauchveronika, Engelsruten und Stachelnüsschen.  

Eingangsschauhaus

Gelangt man über die Siesmayerstraße in den Palmengarten, durchschreitet man ein Haus, das 1906 als Teil der damals neu entstandenen Schau- und Gewächshäuser entstanden ist. Mit dem Bau des Tropicariums in den 1980ern fielen diese Häuser weg. Nur die einstige Mittelhalle mit ihrer 15 Meter hohen Glaskuppel blieb bestehen, wurde um 90 Grad gedreht und als Eingangsschauhaus wiederaufgebaut.

Rechts und links der Kuppelkonstruktion gibt es im Obergeschoss Interessantes zu entdecken: die Sammlung der Carnivoren und die der Tillandsien, für beide ist der Palmengarten bekannt.  

Die Carnivoren, also die Insekten fangenden Pflanzen namens Venusfliegenfalle, Sonnentau, Sumpfkrüge, Schlauch- und Kannenpflanzen sind im südlichen Gebäudeteil untergebracht.  Schautafeln erklären die verschiedenen Mechanismen, mit denen die Pflanzen Insekten, Gliedertiere und in Ausnahmefällen auch kleine Wirbeltiere fangen. In den einen bleiben die Insekten kleben, aus den anderen finden sie nicht mehr heraus, weil die Pflanze zuklappt, bei wieder anderen werden sie eingesaugt. Schaurig-schöne Pflanzenwelt.

Im Nordflügel zeigt der Palmengarten Tillandsien, die größte Gattung in der Familie der Bromelien (Ananasgewächse), die zumeist als Aufsitzerpflanze gedeiht, also nicht im Erdreich wächst. Ursprünglich stammen Bromelien und damit auch Tillandsien aus Süd- und Mittelamerikas, der Palmengarten kultivierte sie bereits in seinen ersten Jahren – in einer Liste aus dem Jahr 1898 sind 26 Tillandsien-Arten aufgeführt. Neben den Tillandsien finden auch Hechtien verschiedener Arten Platz im Nordflügel, auch sie gehören zur Familie der Bromelien. Hechtien sind mit garstigen Stacheln ausgestattet, sie sind vom südlichen Texas bis zum nördlichen Nicaragua verbreitet, die meisten Arten kommen in Mexiko vor.