Unsere Philosophie

„Pflanzen, Leben, Kultur“ lautet seit 1997 das Motto des Palmengartens. Es steht für die besondere Verbindung von Botanischem Garten, Kulturort und Erholungsraum, die diese Frankfurter Traditionseinrichtung seit ihren Anfängen prägt. Hier lassen sich Pflanzen aus aller Welt entdecken, zugleich bietet der Garten Raum für Muße, Bildung und gesellschaftliches Leben.

In den mehr als 155 Jahren seines Bestehens hat der ursprünglich von Bürger:innen für Bürger:innen geschaffene Park eine vielfältige Entwicklung durchlaufen. Seit seiner Gründung durch Heinrich Siesmayer wurde der Palmengarten mehrfach modernisiert und erweitert, zuletzt um den Botanischen Garten Frankfurt. Die Mitarbeitenden pflegen seine bedeutenden Pflanzensammlungen – darunter Palmen, Orchideen und Azaleen – und bauen sie stetig aus.
 

Heute ist Frankfurts Hortus Palmarum in seiner Verbindung aus städtischer Grünfläche, Bildungseinrichtung, Kulturstätte und botanischem Schaugarten einzigartig. Über 12.000 tropische und subtropische Pflanzenarten werden in Themengärten und Schauhäusern präsentiert. Zugleich stellen sich der Palmengarten und der Botanische Garten den Herausforderungen der Gegenwart und entwickeln ihre Aufgaben kontinuierlich weiter. Dabei sind Freunde, Förderer, Sponsoren sowie starke Netzwerke und Kooperationen unverzichtbar.

Als wissenschaftlich geleitete Einrichtung sind der Palmengarten und der Botanische Garten Frankfurt seit Jahrzehnten Mitglied nationaler und internationaler Fachverbände und engagieren sich in zahlreichen botanischen Netzwerken wie dem Verband Botanischer Gärten (VBG) oder Botanic Gardens Conservation International (BGCI). Hinzu kommen Mitgliedschaften in nationalen wie internationalen Pflanzen-Gremien wie der Gesellschaft der Rosenfreunde, der Orchideen- und der Bambusgesellschaft oder in Netzwerken wie BioFrankfurt. Neben der Pflege ihrer Bestände betreiben die Einrichtungen einen weltweiten Samentausch und verfügen über bedeutende Erhaltungskulturen, etwa für Notokakteen, Welwitschia mirabilis und Bromelien. 

Mit der Gründung der Grünen Schule im Jahr 1980 setzte der Palmengarten Maßstäbe in der Umweltbildung. Das Projekt „Kinder im Garten“ knüpft seit 2009 daran an und begeistert bereits die jüngste Generation für die Welt der Pflanzen. Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten im Jahr 2010. Sie trägt dazu bei, die Zukunft des Palmengartens sowie des 2012 angeschlossenen Botanischen Gartens Frankfurt zu sichern, ihre Aktivitäten zu bündeln und neue Projekte zu ermöglichen. So bleibt Frankfurts historisches Grün ein Ort wertvoller botanischer Sammlungen, lebendiger Kultur und zeitgemäßer Bildung – ganz im Sinne des Leitgedankens „Botanik für alle“.

 

„Schon früh waren die Frankfurter am 16. März des Jahres 1871 auf den Beinen. Galt es doch, Standplätze an der Bockenheimer Landstraße zu beziehen, wo in wenigen Stunden die mehrspännige Galakutsche des deutschen Kronprinzen Friedrich, gefolgt von vornehmen Equipagen mit livrierten Dienern vorfahren würden.“ So beschreibt, anlässlich des achtzigsten Geburtstags des Palmengartens, die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. März 1951 den Eröffnungstag des Gartens vor 150 Jahren.

Siesmayers Aktiengesellschaft

Die Gründung des Palmengartens im Jahr 1868 verdankt sich einer besonderen historischen Konstellation. Nachdem das Herzogtum Nassau und die Freie Stadt Frankfurt 1866 von Preußen annektiert worden waren, geriet Herzog Adolph von Nassau in finanzielle Schwierigkeiten und musste seine berühmten „Biebricher Wintergärten“ mit mehr als 200 exotischen Pflanzen veräußern. Mit dem Verkauf wurde der Kunst- und Handelsgärtner Heinrich Siesmayer (1817–1900) betraut.

Siesmayer verfolgte schon länger die Idee, in Frankfurt nach dem Vorbild von Brüssel und London einen Garten mit exotischen Pflanzen als gesellschaftlichen Mittelpunkt zu schaffen. Unterstützt von Frankfurter Honoratioren, darunter Leopold Sonnemann, gründete er 1868 ein Komitee zum Erwerb der Biebricher Pflanzensammlung. Die „Actien“ der am 6. August 1868 dafür gegründeten Aktien-Gesellschaft fanden großen Zuspruch, sodass die Vereinigung die Sammlung noch im selben Jahr für 60.000 Gulden erwerben konnte.

Die Stadt stellte der Gesellschaft sieben Hektar Land an der damaligen Bockenheimer Straße zur Verfügung. Bereits 1869 wurden die Gewächshäuser nach Frankfurt verlegt, 1870 fand die erste Blumenausstellung statt. Die feierliche Eröffnung des Palmengartens erfolgte am 16. März 1871 in Anwesenheit des preußischen Kronprinzen. Mit seinen exotischen Pflanzen, Konzerten und Festveranstaltungen entwickelte sich der von Bürger:innen für Bürger:innen geschaffene Garten rasch zu einer der großen Attraktionen Frankfurts, die sogar Kaiser Wilhelm I. besuchte.

Mit dem Ausscheiden Heinrich Siesmayers als ehrenamtlichem Direktor endete 1886 die Aufbauphase des Palmengartens. Sein Nachfolger August Siebert (1854–1923) erweiterte und modernisierte die Anlage in den folgenden Jahrzehnten durch neue Schauhäuser, ein Rosarium und die Einführung der elektrischen Beleuchtung. Während des Ersten Weltkriegs wurden Gewächshäuser und Freiflächen für den Gemüseanbau zur Versorgung von Lazaretten genutzt. Die Kriegsjahre überstand der Palmengarten weitgehend unbeschadet, bevor die wirtschaftlichen Krisen der Nachkriegszeit neue Herausforderungen mit sich brachten.
 

Der Palmengarten in städtischer Regie

Die Kosten für Pflege und Erhalt des Palmengartens überstiegen schließlich die Möglichkeiten der Aktiengesellschaft, sodass die Stadt Frankfurt die Anlage 1931 übernahm. An die Stelle der Aktionäre trat die Gesellschaft „Freunde des Palmengartens“, die den Garten bis heute als gemeinnütziger Förderverein unterstützt.

Nach dem Tod August Sieberts leitete zunächst Otto Krauss (1865–1935) den Palmengarten, ehe mit der Übernahme durch die Stadt Max Bromme (1878–1974) die Einrichtung führte. Der Frankfurter Gartenbaudirektor modernisierte die Anlage, gestaltete Blütengalerie und Heidegarten neu und begründete auch das Rosen- und Lichterfest. Seine Pläne für ein groß angelegtes „Reichsarboretum“ scheiterten jedoch nicht zuletzt am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Wie Jahre zuvor wurden erneut anstelle von Blumen Kartoffeln und Kohl angebaut. Die Bombenangriffe des Jahres 1944 richteten schwere Schäden an Gebäuden und Gewächshäusern an.

Der Wiederaufbau begann unmittelbar nach Kriegsende. Während das Gesellschaftshaus und der Park zunächst von der amerikanischen Besatzungsmacht genutzt wurden, konnten die Kriegsschäden rasch beseitigt werden. 1953 gingen Garten und Gesellschaftshaus offiziell an die Stadt zurück.

Seit 1945 leitete Fritz Encke (1904–2000) den Palmengarten. Unter seiner Führung wurden die zerstörten Anlagen wiederhergestellt und um zahlreiche gärtnerische und technische Neuerungen ergänzt. 1963 zählte der Garten erstmals eine Million Besucher. Gemeinsam mit Werner Wunderlich begründete Encke auch 1959 die Konzertreihe „Jazz im Palmengarten“, die heute als älteste ununterbrochene Open-Air-Reihe Deutschlands gilt. Zugleich baute Encke die Pflanzensammlungen und internationalen Kontakte des Gartens kontinuierlich aus. Als er 1968 ausschied, hatte sich der Palmengarten zu einer international anerkannten botanischen Einrichtung entwickelt.
 

Großer Umbau vor dem großen Sparen

Zur 100-Jahr-Feier 1969 übernahm mit dem Botaniker Gustav Schoser erstmals ein promovierter Biologe die Leitung des Palmengartens und leitete die bis dahin umfassendste Umgestaltung der Anlage ein. Auf Basis einer damals vergleichsweise guten Haushaltslage prägte er den Garten im Kontext der kulturellen Aufbruchsstimmung der Stadt nachhaltig.

Es entstanden ein neues repräsentatives Eingangsschauhaus an der Siesmayerstraße sowie die Grüne Schule des Palmengartens als erste gartenpädagogische Einrichtung Deutschlands. Mit zusätzlicher wissenschaftlicher Betreuung, neuen Betriebs- und Gewächshausbauten sowie der Neugestaltung von Rosengarten, Themengärten und Steppenpflanzung wurde die Anlage grundlegend modernisiert. Weitere Neuerungen waren das Subantarktishaus sowie der Umbau der Konzertbühne.

Das bauliche Glanzstück der Schoser-Ära bildete das Tropicarium, das einen Rundgang durch zehn tropische Vegetationszonen ermöglicht. Für dessen Realisierung wurde das Gelände erweitert, unter anderem durch den Auszug des seit Langem ansässigen Tennisclubs. Internationale Großveranstaltungen wie die 8. Welt-Orchideen-Konferenz, die Welt-Kakteenschau oder internationale Kongresse für Rosenfreund:innen und Sukkulentenforscher:innen führten zu Besucherrekorden und stärkten den weltweit guten Ruf des Gartens. Bis zu seiner Pensionierung setzte Schoser so die wissenschaftliche und gärtnerische Profilierung des Palmengartens fort.

1993 übernahm Isolde Hagemann die Direktion in einer Zeit, in der öffentliche Mittel knapper wurden. Mit neuen Formen der Öffentlichkeitsarbeit positionierte sie den Palmengarten stärker im städtischen Raum und darüber hinaus, etwa durch Auftritte an Flughäfen, in Hotels und Kaufhäusern sowie durch Kooperationen mit Partner:innen aus Kunst und Kultur. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Spendenkampagne „Rettet das Palmenhaus“, die von einem engagierten Kuratorium getragen wurde und maßgeblich zur Sicherung der historischen Bausubstanz beitrug. 1996 trat Hagemann von ihrem Amt zurück.
 

Aufbruch ins 21. Jahrhundert

Matthias Jenny, zunächst kommissarischer Leiter und seit 1998 Direktor des Palmengartens, prägte den Übergang in das 21. Jahrhundert maßgeblich. Die erfolgreiche Spendenkampagne zur Sanierung des Palmenhauses, dessen Wiedereröffnung 1999 gefeiert wurde, wurde zum Symbol seiner Arbeit: In Zeiten knapper öffentlicher Mittel setzte er konsequent auf externe Förderer, Kooperationen und stabile Netzwerke.

Ein zentrales Ergebnis dieser Strategie war die Gründung der Stiftung Palmengarten und Botanischer Garten, die den langfristigen Erhalt der Anlagen sichert und zugleich neue Projekte ermöglicht. Aus Stiftungsmitteln entstanden unter anderem das Blüten- und Schmetterlingshaus, der Goethe-Garten sowie modernisierte Spielplätze. Auch das Projekt „Kinder im Garten“ in Zusammenarbeit mit Kita Frankfurt wäre ohne das anfängliche Sponsoring nicht umsetzbar gewesen.

Seit 2003 verfügt das Kindermusiktheater „Papageno“ über eine eigene Spielstätte im Palmengarten. Ergänzt wird das Angebot im Palmengarten nicht nur durch den Bootsverleih und die Minigolfbahn, sondern auch durch vielfältige gastronomische Einrichtungen, darunter das Caféhaus Siesmayer, der Kinderkiosk, die Villa Leonhardi und der Lindengarten.

Die kontinuierliche bauliche Erneuerung zählt bis heute zu den zentralen Aufgaben des Gartens. Mit Hilfe von Spenden wurden etwa der Rosengarten neu angelegt und die Galerien des Palmenhauses neu verglast. Ein Großprojekt stellte die umfassende Sanierung des Gesellschaftshauses dar, das zwischen 2009 und 2012 nach Plänen von David Chipperfield grundlegend modernisiert und restauriert wurde. Dabei wurden Fassade, Festsaal, historische Ausstattung sowie die gesamte technische Infrastruktur erneuert.

Das Veranstaltungsprogramm wurde im Zuge dieser Entwicklungen deutlich erweitert und umfasst heute regelmäßig wechselnde botanisch-kulturelle Ausstellungen, Kunst- und Kulturveranstaltungen oder Führungen und Workshops. Das Musikangebot bietet den Besucher:innen neben Jazz und Klassik auch eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst sowie mit dem Mousonturm und „Blues im Palmengarten“.
2012 zogen die Biologischen Institute der Uni Frankfurt an den Campus Riedberg um. Das Fortbestehen des Botanischen Gartens Frankfurt stand somit in Frage. Die Stadt Frankfurt übernahm schließlich die Trägerschaft und gliederte den Botanischen Garten an den Palmengarten an.
 

Mitten im Wandel

Seit September 2018 ist Dr. Katja Heubach Direktorin des Palmengartens und des Botanischen Gartens Frankfurt. In den Jahren seit ihrem Amtsantritt wurde deutlich, dass die Gärten zunehmend auf gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Veränderungen reagieren müssen, ohne ihren historischen Charakter zu verlieren. Dieses Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart prägt seither die Arbeit der Direktorin.

Unter Heubach stehen insbesondere wissenschaftliche Projekte im Fokus: Gemeinsam mit Partnerinstitutionen werden etwa phänologische Veränderungen an Pflanzen untersucht oder die Rolle städtischer Räume für den Insektenschutz erforscht. Auch Bürgerwissenschaftler:innen können sich über Plattformen wie iNaturalist an diesen Projekten beteiligen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung. Mit der Palmengarten-App und digitalen Vermittlungsformaten der Grünen Schule werden neue Zugänge zu den Gärten geschaffen und Inhalte zeitgemäß vermittelt.
Zugleich werden der Palmengarten und der Botanische Garten Frankfurt konsequent inklusiver gestaltet. Barrierefreie Zugänge und Kommunikationsformen sollen allen Besucher:innen den Zugang ermöglichen. So wurde etwa der Senckenbergische Arzneipflanzengarten mit taktilen Elementen ausgestattet und Wege im Sukkulentengarten so angepasst, dass sie auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nutzbar sind.

2021 konnte nach langen Planungen das Schmetterlingshaus eröffnet werden, in dem Besuchende tropische Schmetterlinge erleben und ihre Entwicklung im Detail beobachten können. Passend dazu prägte die „Blüten- und Bestäuberökologie“ als erstes Leitthema in der Geschichte des Palmengartens die Programm- und Gartengestaltung der folgenden Jahre.

Seit 2025 blicken die Gärten verstärkt darauf, wie sie sich angesichts aktueller gesellschaftlicher Veränderungen wie Klimawandel, Artensterben und Digitalisierung weiterentwickeln können und müssen. Als inhaltlicher Ausgangspunkt für diese Fragen dient das aktuelle Leitthema „Garten der Zukunft“ mit den Themensträngen „Nachhaltigkeit“, „Garten-Utopien“ und „Biodiversität“.